Die Stadt Halle streicht den örtlichen Tierschutzvereinen die Gelder zur Katzenkastration
Ein Rückschlag im Kastrationsprogramm und eine Katastrophe für den Verein: Die Stadt Halle gibt uns kein Geld mehr für die Kastrationen herrenloser Katzen
Zwar ist die Summe im Laufe der Jahre immer geringer geworden, die der Verein für Kastrationen halterloser Katzen vom Veterinäramt Halle bekommen hat, aber mit 5000 € konnten wir bisher immer rechnen. Nun sind die Gelder komplett gestrichen worden, dabei hatten wir diese fest eingeplant und die Tierarztkosten dafür aus eigener Tasche schon bezahlt. Was das für den Tierschutz Halle e.V. bedeutet, der seit Jahren hart am Limit arbeitet, kann sich jeder ausrechnen, der die Zustände bei uns kennt und weiß, dass es auch immer mehr private Katzenhalter gibt, die ihre Tiere nicht mehr kastrieren lassen. Sicher oft, weil sie die Kosten nicht tragen wollen oder können. Die Folge ist, dass wieder mehr Katzen auf der Straße landen, unkastriert natürlich, und dass es vermehrt Katzenelend geben wird, denn die Katzenbabys werden ebenfalls entsorgt, also getötet oder ausgesetzt.
Auf eine Anfrage von Vorstandsmitglied Rotraud Wunsch, die zusammen mit unserer Vorsitzenden Klara Jäger am 23.11.2011 zu einer Stadtratssitzung war, meinte der Innendezernent Dr. Bernd Wiegand, dass zurzeit keine Gefahr im Verzug sei, also kein Handlungsbedarf bestehe, da es kaum unkastrierte herrenlose Katzen in Halle gäbe. Wenn die wieder zahlreicher wären, würde man nötigenfalls neu entscheiden. Dass dieser Handlungsbedarf aber jetzt nicht mehr besteht, weil seit 20 Jahren engagierte Tierschützer in Halle Jahr für Jahr in mühsamer Arbeit (oft stundenlanges Warten, Kastrationskosten beim Tierarzt) Katzen einfangen und zur Kastration bringen, sie anschließend versorgen und wieder an ihre Futterstellen zurückbringen und auch wie wir - der Tierschutz Halle e.V. - nur kastrierte Katzen vermitteln (außer Babykatzen), hat oder will man offenbar vergessen. Ob die Stadt Halle sich bewusst ist, dass damit die Gefahr besteht, dass unser Tierschutzverein in Zeiten, in denen auch die Spendenbereitschaft deutlich zurückgeht, demnächst nicht mehr solvent sein könnte und seine Arbeit ganz aufgeben muss, wäre zu fragen. Und was wird dann? Ist erst „Handlungsbedarf“, wenn Seuchengefahr für die Menschen besteht, weil vermehrt tote oder todkranke Kätzchen im Stadtbild auftauchen? Oder vielleicht doch schon, wenn man unsere Mitlebewesen künftig einem unerträglichen Leiden ausgesetzt sieht? Wenn diese herrenlosen und verwilderten Katzen jetzt auch noch nicht gesichtet werden, weil sie sich noch in Hinterhöfen und alten Gebäuden verstecken, kann man davon ausgehen, dass es nicht mehr lange dauert, bis die Population der Streunerkatzen hier so groß wird wie in Südeuropa, bis sie also auch bei uns zum täglichen Straßenbild gehören. Zigtausende herrenlose Katzen vermehren sich auch in Deutschland mindestens zweimal im Jahr. Sie leben teilweise in einem erbärmlichen Zustand. Deren Junge werden bereits mit fünf, sechs Monaten geschlechtsreif und vermehren sich weiter. Ihre Versorgung und Kastration wird nur noch von wenigen, engagierten Tierschützern getragen (auch hier fehlt ja dringend Nachwuchs). Die Tierschutzvereine stehen also nicht nur vor unlösbaren finanziellen Problemen, sie leiden auch ebenso unter Personalmangel. Wenn also die Stadt Halle schon kein Geld für die Kastrationen mehr geben will und der Saalekreis schon immer so gut wie nichts gegeben hat, dann erwarten die halleschen Tierschützer wenigstens, dass eine andere langfristige Lösung des Problems in Angriff genommen wird. Zunächst sollte die Stadtverwaltung sich bewusst werden, dass auch die Tierschutzvereine zu Halles Vereinen gehören und von der Stadt gefördert werden, zum anderen, wäre das die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle freilaufenden Katzen und Katzen mit Zugang ins Freie. Es gibt etliche deutsche Städte, die das bereits in ihren Ordnungen aufgenommen haben. Die EU will das ebenfalls gesetzlich verankern. In Österreich besteht schon lange ein solches Kastrationsgebot. Wir setzen uns für Deutschland und speziell für Halle sehr dafür ein!
Wer uns helfen möchte, kann direkt für Kastrationen bei uns spenden.



